Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium
Schülerbericht SCMUN Singapore

Als das CFG im Februar von der Singapore Chinese Girls School zu einer Modell Konferenz der Vereinten Nationen eingeladen wurde, konnte sich noch niemand so richtig etwas darunter vorstellen.
Trotzdem fanden sich elf neugierige Gaußianer der Jahrgangstufe 1, die sich zusammen mit Herrn Zeitz über Fasching auf nach Asien machen wollten. Als Vertreter der Länder Australien und Irak wurden wir in sechs verschiedene Gremien aufgeteilt, in denen wir vor Ort über die jeweiligen Themengebiete diskutieren würden. Diese waren etwa die Rettung der Eurozone, die Ziehung von Meeresgrenzen, Cyberterrorismus oder die Wahrung der Menschenrechte im Kampf gegen Terrorismus.
Bereits vor der Konferenz mussten wir uns über den Standpunkt unseres Landes zu den Streitfragen informieren und einen kurzen Bericht darüber abgeben. Während wir uns alle sehr darauf freuten Singapur zu erkunden, war uns hinsichtlich der Konferenz doch etwas mulmig zumute. Unsere Angst sollte sich bei einer kurzen Einführung am Abend vor der dreitägigen Konferenz sogar noch verschlimmern. Mit einer enormen Geschwindigkeit und natürlich auf Englisch erklärten uns Schülerinnen der Singapore Chinese Girls School (SCGS) den Ablauf und die Regeln der SCMUN (Singapore Chinese Model United Nations). Diese war komplett von Schülerinnen organisiert worden, die Lehrer der SCGS durften nicht einmal bei den Diskussionen anwesend sein. Alles hatte seine genauen Strukturen. Als Vertreter eines Landes durfte man beispielsweise nur in der dritten Person von sich sprechen, unaufgefordert sprechen, lachen oder klatschen war verboten. Zudem würde jeder am nächsten Tag eine kurze Eröffnungsrede zum Thema des Tages halten müssen.
Montags war es dann soweit. Nach einer kleinen Eröffnungsfeier mit Chorgesängen und einem Auftritt der Schultanzgruppe kamen wir in unseren Gremien zusammen. Dort befanden sich „Blackcards“ mit dem Namen des Landes und der Flagge auf den Stühlen. Jedoch war sowohl vor und hinter uns, als auch rechts und links von uns mindestens ein freier Platz. Auch die Vorsitzenden waren Schülerinnen, die vorbildlich und verantwortungsvoll auf jeden Regelverstoß mit: „Delegate, this is not in order.“ („Abgeordneter, das ist nicht erlaubt.“) antworteten.
Zu Beginn fiel es den Meisten von uns ziemlich schwer, sich an die ernsthafte Atmosphäre, trotz Abwesenheit der Lehrer, zu gewöhnen. Hinzu kam noch die akribische Vorbereitung und Motivation der anderen, vorwiegend asiatischen Schüler, die uns zugegebener Maßen irritierte. Noch bevor die Diskussion überhaupt angefangen hatte, hatten einige Teilnehmer bereits eine Resolution ausgearbeitet und suchten Delegierte, die unterschreiben wollten. Ein solches Engagement war für uns zuvor unvorstellbar gewesen.
Doch auch unser Interesse wurde nun geweckt. Um am nächsten Tag öfter am Podium stehen zu können, recherchierten wir abends die Themen des nächsten Tages noch genauer. Mit der Zeit gewöhnten wir uns sogar daran nur noch Englisch zu hören und zu sprechen. So gelang es den Meisten von uns, sich aktiv in die Debatten um aktuelle Themen in Politik und Wirtschaft miteinzubringen. Auch bei der Formulierung von Lösungsansätzen halfen wir mit und brachten bisher unbeachtete Schwierigkeiten zum Vorschein. Obwohl es immer wieder Mut kostete nach vorne zu kommen, wurde es mit jedem Mal leichter für uns vor den circa 30 Teilnehmern, die jedes Gremium hatte, mehr oder weniger frei zu sprechen.
Somit lernten wir eine Menge auf der SCMUN. Nicht nur der Ablauf und die Regeln, die auch auf der richtigen UN Konferenz gelten, wurden uns klar, sondern auch beim freien Sprechen, angemessen Debatieren und vor allem mit unserem Englisch machten wir große Fortschritte. Zudem zeigte uns die UN Modell Konferenz auf beeindruckende Weise, wie leistungsbereit und lernfreudig Schüler in Asien selbst ohne Lehrer sind.
Daher waren wir sogar etwas traurig, als mittwochabends alles vorbei war. Bei einer formellen Abschlussfeier wurde aus jedem Gremium der beste Delegat ausgezeichnet, zwei weitere erhielten eine Ehrenerwähnung. Auch einer Schülerin vom CFG, Maike Blattner, wurde eine Ehrenehrwähnung als Delegierte von Australien verliehen.

Preisverleihung SCMUM

Darüber hinaus wurden die beste Schule, die beste Ländervertretung und einige andere geehrt. Zudem gab es gemäß der asiatischen Gastfreundschaft Präsente für alle ausländischen Schulen, Hong Kong, Bali, Australien und natürlich Deutschland.
Schließlich fanden wir heraus, dass auch die Schüler in Asien manchmal ihren Spaß haben. Beim Dinner and Dance feierten alle Teilnehmer noch einmal gemeinsam den Erfolg der letzten Tage und knüpften Freundschaften in aller Welt.

Autorin: Maike Blattner