Seit fünf Jahren besteht am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium eine engagierte Biologie-Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Studienrat Roland Mohr. In vielen Stunden emsiger Arbeit haben sich die Schülerinnen und Schüler an Projekte gewagt, die für die Umwelt sicherlich einen Gewinn darstellen. Nach 5 Jahren ihres Bestehens zieht die Bio-AG eine positive Bilanz, auch wenn sie bei ihren Vorhaben manche Hürde überwinden und Enttäuschungen hinnehmen musste. Entmutigen ließen sich die Schüler jedoch nicht. Sie wollen auch in Zukunft im Sinne der Umwelt tätig sein.

Nachfolgend ein Resümee der bisherigen Arbeit:

 

Naturschutz im Siedlungsraum

Bei der Gründung der AG im Jahre der Landesgartenschau 1991 setzte man sich ein ehrgeiziges Ziel: Das Kraichbachufer am Ortseingang in Richtung der Umgehungsstraße Reilingen naturnah zu begrünen.

Auf einer Länge von 1,4 km wurden einheimische Gehölze gepflanzt. Ein Teil dieser Pflanzen ist nun über 5 Jahren alt. Als Schattenspender und landschaftsprägende Elemente wird ihnen ein langes Leben von Seiten der Bio-AG gewünscht.

In den folgenden Jahren konzentrierten sich die Beteiligten auf schulnahe Aktivitäten im Bereich des Schulgeländes. Es sollte nach und nach durch Kleinbiotope sowohl eine Verschönerung als auch eine ökologische Aufwertung erreicht werden. Pläne wurden diskutiert, oft in mehreren Varianten auch erstellt und mit dem Einverständnis und der Unterstützung der Schulleitung und der Stadtverwaltung dann umgesetzt.

Durch diese Arbeit lernten die beteiligten Schüler in konkreten Projekten unter fachmännischer Leitung von Studienrat Mohr wie man derartige Vorhaben nicht nur plant, sonder auch erfolgreich in die Tat umsetzt.

Da innerhalb einer Ortschaft kein reiner Naturschutz praktizierbar ist, verfolgte die Bio-AG naturnahe Konzepte, die einen Kompromiss zwischen ökologischen Wünschen und örtlichen Gegebenheiten darstellen. Dabei war das Grundprinzip der AG ihre Arbeit weitgehend kostenneutral zu organisieren und auszuführen. Unterstützung wurde von der Stadt in Form von Pflanzenspenden oder dem Überlassen von Gerät gewährleistet.

 

Die Wildbienenarche

Wildbienen sind einzellebende Tiere, sehen aus wie Hummeln, stechen nur selten, sind aber für die Bestäubung, wie jeder Gärtner weiß, sehr wichtig, da auch ohne Imker in der Nähe reichhaltige Ernten gesichert ist. Der Bestand der Wildbienen ist gefährdet, da sie zur Aufzucht ihrer Jungen kleine Hohlräume in ungespritztem Holz, das heißt Weidezäune oder altes Fachwerk benötigt, modernes Bauen und die Agrarpraxis bedrohen ihren Bestand. Durch den Bau von künstlichen Nisthilfen könnte man hier teilweise Abhilfe schaffen.

Die Biologie-AG plante und baute 1992 die „Arche“, ein Holzgestell aus sechs massiven Eichenbalken, in die über 700 Löcher mit unterschiedlichem Durchmesser gebohrt wurden. Dadurch wurden über 700 „Nisthöhlen“ geschaffen, von denen bereits ein Großteil (85 %) heute belegt sind. Momentan laufen Planungen, eine weitere „Arche“ im Bereich des Schulhofes zu installieren. Diesmal soll ein Baumstumpf als Unterkunft dienen. Die Trockenmauer In dem Projekt „Trockenmauer“, von der Schubertstraße aus weithin sichtbar, wurde 1993 die alte Tradition aufgegriffen, natürliche Mauern zu bauen, das heißt, sie ohne Bindemittel aufzusetzen. Auch Trockenmauern sind wertvoll, da Rückzugsgebiet für Kleinsäuger und eine Brutstätte für verschiedene Insektenarten. Auch die wieder angesiedelten Wildbienen nutzen die Trockenmauer inzwischen oft. Daher war es nahe liegend, dass die Trockenmauer in der Näher der Wildbienenarche angelegt wurde. Ebenso bietet sie Heimat für Pflanzen, die Wärme und Trockenheit lieben.

 

Der Trockenrasen

Auch das hochwertige Kleinbiotop, der Trockenrasen, im Bereich der Schubertstraße wurde 1994 von Schülern in harter Arbeit erstellt. Es ist kein kurzgeschorenen Grasteppich, sonder eine artenreiche Kräuter- und Blumenwiese, Lebensraum für Insekten, Spinnen und andere selten gewordenen Tiere, welche neben Nistplatzmöglichkeiten auch Nahrung hier finden können.

Zum Anlegen des Trockenrasens mussten die Bodendecker entfernt werden. Diese waren ortsfremd und sorgten dafür, dass sich wenige Tiere und Pflanzen vorher ansiedeln konnten.

Eigenhändig wurden in schweißtreibender Arbeit von den Schülern Betonsteine entfernt und neuer Mutterboden eingearbeitet. Schon im folgenden Frühjahr konnten erste Biologieklassen praktischen Unterricht um Freien zelebrieren. Daher ist es für die Schüler unerklärlich, dass das Biotop nicht als solches anerkannt und im Herbst zerstört wurde, zumal es von Unrat freigehalten wurde und es somit auch für das Hockenheimer Stadtbild einen Gewinn darstellte.

 

Die Zaunbegrünung

Um den um die Schule gebauten Stahlzaun zu verschönern, pflanzten die Schüler 1994 zahlreiche Kletterpflanzen und Büsche. Dieses Projekt zeigt wiederum in besonderer Weise, dass auch die Allgemeinheit Nutzen aus der Arbeit ziehen kann, „denn sie hat wieder nicht eine Pfennig dazugezahlt“. Dies gilt auch für das Tagesgeschäft der AG: Hof fegen, Müllbeseitigung, Mäharbeiten und sogar Pflasterreparaturen wurden in den vergangenen fünf Jahren von der engagierten Schülern durchgeführt.

 

Der Schulteich

Das ehrgeizigste Projekt, welches von der Bio-AG 1995 planerisch und handwerklich in Angriff genommen wurde, war die Errichtung eines Teiches auf dem Schulgelände. Auch dieses ging nicht ohne Problem vonstatten, da im Endeffekt zwei Schulteiche angelegt wurden.

Der erste Teich, der schon fast vollendet war, musste wieder zugeschüttet werden, da bekannt wurde, dass die Stadtverwaltung entgegen erster Planungen nun doch einen Erweiterungsbau im Bereich des Schulhofes am alten Festplatz errichten will.

Die Schüler ließen sich aber nicht entmutigen und beschlossen daraufhin, einen zweiten Schulteich auf hoffentlich unbedenklichem Gebiet zu errichten. Der andere Teich wurde inzwischen zugeschüttet. In wochenlanger Arbeit konnte der Teich doch noch bis zum Ende des Schuljahres fertig gestellt werden.

Die Abdichtungsfolie wurde von den Schülern in Mannheim eigenhändig verschweißt und von den Mitgliedern der Bio-AG vor Ort passgenau verlegt. Material und technische Hilfe gab ihnen Günter Sporys. Nur mit dieser großzügigen Unterstützung war die Erstellung des Teiches möglich.

Rechtzeitig zum Schulfest wurde der Teich festlich eingeweiht, indem der harte Kern der AG zusammen mit AG-Leiter Roland Mohr ein erfrischendes Bad in dem eiskalten Wasser nahm. Kurz danach begann das Unwetter, das allen Hockenheimern im Gedächtnis ist.

Auch in diesem Jahr will die engagierte Bio-AG am Ball bleiben, hauptsächlich mit Pflanzungen rund um den Schulteich, um ein möglichst natürliches Ufer zu erstellen.

Quelle: Hockenheimer Tageszeitung, Samstag/Sonntag, den 13./14. April 1996