Irrwege zum Glück - Spektakuläre Theateraufführung am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium

Am Ende haben sie das Glück noch immer nicht gefunden. Sie, das ist ein bunter Haufen junger und auch nicht mehr ganz so junger Menschen, deren Wege sich in einer großen Weltstadt in unterschiedlichen Situationen kreuzen. Gemeinsam ist ihnen die Suche nach dem großen Glück, das sie in Form von Geld, Liebe, Macht oder Ruhm verwirklicht glauben. Was den Charakteren des Theaterstücks „We Sell Happiness“ verwehrt bleibt, nämlich ein Stück von der Glückseligkeit zu erhaschen, wurde dem Publikum bei der Premiere der zweistündigen Theaterinszenierung am vergangenen Freitagabend am Carl-Friedrich-Gauß Gymnasium in Hockenheim zu Teil.

Auch Yannik Bayer, der den gefallenen Rockstar John verkörpert, weiß zwar nicht, wie er alles unter einen Hut bringen soll, meint aber: „Sobald wir mit den Proben beginnen, ist die Stimmung super, jeder ist bei der Sache, und Spaß, den haben wir auch“. Hildegard Wirth, die Kurslehrerin, spielt hierbei eine wichtige Rolle: Mit aufbauenden Worten, aber auch mit der manchmal nötigen Strenge steht sie den jungen Darstellern zur Seite und führt Regie. Besonders stolz sind alle darauf, dass das komplette Stück, inspiriert von Zitaten aus alten Filmklassikern, von der ersten bis zur letzen Zeile aus der Feder der Schüler stammt.

Dabei handelt es sich bei der Theaterproduktion des diesjährigen Kurses um ein besonders ambitioniertes Projekt. Die Schüler wollten nicht nur ein Theaterstück auf die Bühne bringen, sondern sie wollten ihr ganz eigenes Stück kreativ gestalten. „We Sell Happiness“ wurde von allen Teilnehmern des Kurses gemeinsam konzipiert, geschrieben und dramaturgisch umgesetzt. Ein zugegeben etwas waghalsiges Unternehmen, was äußerst erfolgreich in ein einfallsreiches, sowohl humoristisches als auch zum Nachdenken anregendes Theaterstück umgesetzt wurde.

Die zentrale Thematik des Stücks befasst sich mit der Suche nach dem Glück. Der etwas naive Protagonist Ben Winterbottom, gespielt von einem überragenden Benjamin Doubali, und sein ähnlich unbedarfter Freund Stuart, verkörpert durch den ausgezeichneten Jannik Ziemen, beenden ihr enges Kleinstadtleben und ziehen gemeinsam in eine nicht näher beschriebene Metropole. Nach kurzer Zeit gelangt Ben zu Ruhm und Geld. Allerdings ist er dem Druck einer schnelllebigen Zeit, die ständig neue Reize und Unterhaltung konsumieren will, sowie einer Geschäftswelt, in der nur Profit und Macht zählen, nicht gewachsen. Daran zerbricht die Freundschaft zwischen Ben und Stuart, der lange mit den üblichen Enttäuschungen des Alltags hadert, aber schließlich beschließt, sein Leben und Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Die Erfahrungen, die Ben und Stuart in der Großstadt machen, werden von ihren wechselseitigen Bekanntschaften bereichert und vorangebracht. Da gibt es die Zeitungsjournalistin Vero, dargestellt von einer in ihrer Rolle glänzenden Lisa Heinrich, die ihr Glück in der Liebe zu Ben zu finden meint. Ihre Aufgabe sieht sie in seiner Rettung vor der abgebrühten Femme fatal Natalya – vorzüglich gespielt von Franziska Schuhmacher. Sie alle treffen sich immer wieder in einer Bar, in der die Bardame Lizzy, verkörpert durch die famose Patrizia Lahres, auf eine ihr eigene charmant-verächtliche Art den Gästen, zu denen auch der ehemalige Rockstar John gehört, mit durchaus manchmal abgedroschenen Lebensweisheiten beisteht. Die skrupellose Ausbeutung der Menschlichkeit wird durch den Big Boss des Kapitalismus demaskiert. Beide Charaktere, John und der Big Boss, werden von Yannik Bayer gespielt, der mit der Darstellung der in den Charakteren angelegten Dichotomie von skrupelloser Ausbeutung und kommerzialisiertem Künstlertum seine Flexibilität und Vielseitigkeit unter Beweis stellt. Die zeitlose und immer aktuelle Thematik des Stücks folgt in seiner Dramaturgie einem postmodernen Ansatz, der einerseits durch eine Erzählerin, andererseits durch den plurimedialen Einsatz von Musik und Bildprojektion, sowie den steten Bezug zu Popkultur und Film umgesetzt wird. Mit teilweise beißendem Sarkasmus und schneidendem Spott kommentiert die Erzählerin, von der glänzenden Laura Bückendorf dargeboten, auf geistreiche und schlagfertige Art das Geschehen auf der Bühne. So schlägt sie eine Brücke zum Publikum, das sie wechselweise zu herzhaftem Lachen, aber auch zu reflektiertem Nachdenken veranlasst. Höhepunkte der Inszenierung sind neben einem hervorragend von Benjamin Doubali dargebotenen Monolog auch die musikalischen Einlagen durch Yannik Bayer (Gesang und Gitarre), Benjamin Doubali und Lisa Heinrich (Gesang), die neben den allgemein überragenden schauspielerischen Leistungen das Stück zu einem gelungenen Gesamtkunstwerk abrunden. Auch die vortreffliche Ton- und Lichttechnik, für die Kai Blümchen, Martin Chmilewski, Robert Korn, Marwin Merkhofer und Guido Schmidt verantwortlich sind, trägt schließlich zum großen Erfolg der Inszenierung bei. Der Kursleiterin und Regisseurin Hildegard Wirth gebührt großes Lob für ihre Leistung. Sie hat es auch in diesem Jahr wieder geschafft, durch ihre Kreativität, Kompetenz, Liebe zum Detail und ihr Einfühlungsvermögen gemeinsam mit den Kursteilnehmern eine überragende Theaterinszenierung zu schaffen, auf die alle Gaußianer stolz sein können.

Autorin: Judith Hammer