Szenenenbild 1 - Die Märchenmafia

Gretel hat Stress zuhause! Wie ein Teenager unserer Zeit wird sie nachts um elf Uhr von ihren Eltern erwischt und bekommt Hausarrest. Gretel hat die Nase voll, sie weckt ihren kleinen Bruder Hänsel und gemeinsam hauen sie von zu Hause ab.

So entspann sich jeweils am vergangenen Samstag und Sonntag in der Aula am Gauß-Gymnasium eine Art Roadmovie der besonderen Art: Hänsel und Gretel stranden auf ihrer Reise nach Berlin (Hänsel: „Da wollte ich schon immer mal hin!“) im Kuhkaff Hockenheim und treffen auf unerwartete Zeitgenossen, die verdächtige Ähnlichkeiten mit den Grimm`schen Märchenfiguren haben.

Gold- und Pechmarie, die in Frau Holles Zuckerfabrik arbeiten, werben Hänsel für ein Bett und ein warmes Essen an. Zum Glück kann Gretel ihn noch rechtzeitig vor der Kinderarbeit retten, Frau Holle sinnt auf Rache.

Dieser Märchenfigur entronnen, laufen die Geschwister in einem Schönheitssalon den bösen Stiefmüttern in die Arme. Deren Verschönerungsvorschläge für Gretel klingen allerdings ziemlich grausam, sodass Bruder und Schwester von Angst erfasst den Laden verlassen.

Von Flugzetteln auf die „Aktion Dornröschen“ aufmerksam gemacht, hört Gretel sich den Vortrag der feministischen bösen Fee Alice Black an. Als diese auch Hänsel verzaubern will, flieht Gretel zu Hänsel.

Inzwischen hat Hänsel bei Dornröschen und der guten Fee Zuflucht gefunden. Die beiden haben ganz andere Ansichten als die böse Fee und versuchen Gretel das erfüllte Eheleben und den Dienst am Ehemann schmackhaft zu machen. Bevor Hänsel auf dumme Gedanken kommen kann, zerrt Gretel ihn davon.

Völlig erschöpft treffen die Geschwister aber schon auf die nächste seltsame Paarung: eine genervte Prinzessin samt goldener Kugel und einen nie geküssten Frosch mit Krönchen, die sich unentwegt über den vor langer Zeit versprochenen Kuss streiten.

Auf ihrer weiteren Odyssee durch die moderne Welt begegnen die beiden Kinder einem Wesen, das im Wald um ein Feuer tanzt und nach eigener Aussage Rumpelstilzchen heißt (was aber noch keiner weiß). Es wittert seine Chance und bringt den hungrigen Hänsel und seine misstrauische Schwester als Trophäe in die Dönerbude zur nach Menschenblut durstenden Hexe und ihren Zwergen.

Der Wolf, der die finsteren Pläne Rumpels im Wald belauscht hat, überredet Hänsel und Gretel, mit ihm zur Jahreshauptversammlung der Märchenmafia zu kommen, um so Rumpel seinen Triumph abspenstig zu machen.

Auf der Versammlung trifft man die Figuren der letzten dreiviertel Stunde wieder: Eine nach der anderen erstatten sie Bericht über ihre Machenschaften der letzten Zeit und versuchen sich gegenseitig in Grausamkeit zu überbieten.

Als der böse Wolf Hänsel und Gretel präsentiert, kommt es zum Showdown: Alle wollen die Geschwister für sich und stürzen sich schließlich auf die beiden. Doch die Märchenfiguren haben die Rechnung ohne Hänsels und Gretels Kampfkünste gemacht, da diese sich mit einem Befreiungsschlag der Angreifer entledigen und sich ohne Zögern an die Spitze der Märchenmafia stellen.

Die schauspielerische Leistung der Unter- und Mittelstufenschüler, angeleitet von Julia Bundenthal und Claudia Schlager, und die zum großen Teil selbst geschriebenen, humorvollen Szenen überzeugten das Publikum. Sie gewährten einen frischen Blick auf die traditionellen Märchenfiguren und stellten augenzwinkernd Bezüge zu unserer realen Welt her.

Nach den Schlussworten von Hans im Glück über das auf dem Rücken der Pferde liegende Glück der Erde, die selbst der Froschkönig als völlig unpassend bezeichnet, dankten die Zuschauer dem Ensemble mit großem Applaus für das erlebte Glück am Samstagabend und Sonntagnachmittag.

Autorinnen: Julia Bundenthal, Claudia Schlager