„Geschichte“ ist nicht gleichzusetzen mit „Vergangenheit“ und Geschichtsunterricht nicht mit einer bloßen Rekonstruktion vergangener Ereignisse. Vielmehr ist Geschichte ein im ständigen Wandel begriffenes Konstrukt, das wir alle in Form einer Gedächtniskultur gemeinsam erschaffen, beeinflussen und aktiv produzieren. Geschichte ist – so verstanden – erzeugte und geformte Erinnerung, die allgegenwärtig ist – wie beispielsweise die zahlreichen Jubiläen in der jüngsten Vergangenheit belegen:

  • Während der Jahre 2014-2018 wurde auf unterschiedlichste Weise des Ersten Weltkrieges als der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ gedacht.
  • Der 31. Oktober 2017 wurde als der 500. Jahrestag der Reformation gefeiert – angeblich soll Luther 1517 seine 95 Thesen angeschlagen haben.
  • 2018 wurde in besonderer Weise des Ausbruchs des Dreißigjährigen Krieges erinnert.

 „Wir sind, was wir geworden sind“ (Hagen Schulze)

Geschichte ist darüber hinaus aber auch ein räumlich-zeitliches Kontinuum und wir selbst und unsere Lebensumstände damit Resultat vergangener, aber auch Ausgangspunkt zukünftiger Geschichte. Dem Menschen ist es ein existenzielles Bedürfnis, seine Herkunft kennenzulernen und sich zu „verorten“, um daraus auch die eigene Identität zu konstruieren. Zu diesen prägenden Faktoren gehört neben der eigenen Familie auch die Geschichte des eigenen Landes, Kontinents und – letztlich – der Erde. Erst die intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte ermöglicht es, die eigene Gegenwart als Produkt der Vergangenheit zu begreifen und sie auf diese Weise besser zu verstehen. Damit geht aber auch eine Verantwortung für das eigene Handeln einher: Durch die Vergangenheit kann der Mensch lernen und bewusstere Entscheidungen für seine eigene Gegenwart treffen.

„Geschichte als Waffe“ (Edgar Wolfrum)

Mehr noch: Geschichte ist ein Politikum und wird nicht selten als Argument ins Feld gezogen. Seit jeher kommt der Geschichte daher eine besondere Bedeutung zu: Sie wurde und wird argumentativ instrumentalisiert und dient häufig der Legitimierung von Interessen. Völlig zu Recht also bezeichnet der Historiker Edgar Wolfrum „Geschichte als Waffe“.

Umso mehr gilt es im Umkehrschluss, sich genauer über unterschiedliche historische Begebenheiten zu informieren, deren Rezeptionsgeschichte kritisch zu verfolgen (Wie wurden historische Ereignisse zu unterschiedlichen Zeiten jeweils dargestellt? Welche Bedeutung wurde ihnen beigemessen? Wie wurden sie interpretiert?) und zu eigenen begründeten Urteilen zu gelangen. Dies ist notwendig, um als mündiger Bürger verantwortungsvoll und kompetent an politischen Fragen und Debatten partizipieren zu können.

Das pädagogisch-didaktische Anliegen der Fachschaft

Der Fachschaft Geschichte des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums ist es ein zentrales pädagogisches Anliegen, durch den Geschichtsunterricht in den Schülerinnen und Schülern eine kritische Haltung und Mündigkeit zu initiieren und zu entwickeln. Daher ist es ein erklärtes Ziel des Geschichtsunterrichtes am CFG, neben der Vermittlung eines umfangreichen und fundierten Grundlagenwissens in besonderem Maße die Kritikfähigkeit und das Urteilsvermögen der Lernenden zu schärfen und die Bedeutung der Geschichte für heute („Gegenwartsbezug“) hervorzuheben. Auf diese Weise sollen die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Gegenwart als Folge eines historisch gewachsenen Prozesses verstehen und für die damit einhergehende Verantwortung gegenüber der eigenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sensibilisiert werden.