Theater-Abo: „Shakespeare & Love“ – Die Facetten der Liebe und die Suche nach der eigenen Identität
Hockenheim, 23.02.2026
Am 30.01.2026 besuchten wir, die Schülerinnen und Schüler des Theater-Abos, gemeinsam mit Frau Del Mul und Frau Ronellenfitsch die Vorstellung des Stückes „Shakespeare & Love“, aufgeführt im OPAL Mannheim. Der Choreograph Stephan Thoss entwickelte aus sechs bekannten Stücken Shakespeares eine tänzerische Collage, um die Liebe, die über zweitausendmal in Shakespeares Werken vorkommt, mit all ihrer Vielfalt darzustellen.
Der erste Akt führt durch sechs Dramen, beginnend mit „Macbeth“, wo der moralische Verfall dargestellt wird. Aus Liebe überzeugt Lady Macbeth ihren Mann davon den König wider aller moralischen Werte zu ermorden, um selbst die Königswürde zu erhalten.
Daraufhin folgt „Othello“, ein Charakter, der Liebe als Rechtfertigung für sein Handeln nutzt und aus zerstörerischer Eifersucht seine Frau und anschließend sich selbst tötet.
Im Anschluss betritt „Hamlet“ die Bühne. Dieser will Rache für den Mord an seinem geliebten Vater, dem König von Dänemark, üben.
Shakespeares „Sommernachtstraum“ ist das vierte Stück der Collage, das die Verwirrung und Umwege der Liebe thematisiert. Im Vergleich zu den sonst eher düsteren Handlungen ist dies das einzige fröhlichere Werk Shakespeares, das hier zu sehen ist.
In „King Lear“ gibt der König seine Macht an die falschen Töchter, was zu einem Missbrauch dieser und dem Untergang des Königs führt.
„Romeo und Julia“ komplettiert die Collage und spiegelt die weltbekannte Liebesgeschichte mit tragischem Ende wider.
Jede Szene hat eine individuelle farbliche und musikalische Gestaltung erhalten. Dabei ist auch der Einsatz der Drehbühne, die in verschiedene Teile gegliedert ist, von besonderer Bedeutung, da sie die Szenen klar voneinander abgrenzt.
Musikalisch begleitet wurde das Stück durch das Orchester des Nationaltheaters sowie einigen Solisten, die dabei große Vielfältigkeit und Können bewiesen und eine einzigartige Atmosphäre kreierten.
Eine Mutter-Sohn-Beziehung, die schon im ersten Akt als Rahmenhandlung stattfindet, beschreibt den Prozess des Heranwachsens, in Zuge dessen sich das Kind immer weiter von den Eltern distanziert. Daraufhin beginnt die Suche nach der zweiten Hälfte in einem anderen Menschen, was das Thema des zweiten Aktes ist. Dieser löst sich von Shakespeares Werken und konzentriert sich mehr auf die Liebe selbst. Thoss orientierte sich dabei an Platons Mythos vom Kugelmenschen, welcher ein Wesen beschreibt, das einst zwei Gesichter, vier Arme und vier Beine hatte, bevor es von den Göttern gespalten wurde. Seither ist der Mensch auf der Suche nach seiner verlorenen Hälfte.
Dies wird im zweiten Akt dargestellt, in welchem sich Romeo und Julia vervielfachen und jeweils ihre bessere Hälfte suchen. Die Tänzer vertanzen ihre eigenen Emotionen und verbildlichen dadurch die reine Liebe ohne Hass, Neid und Gier. Das wird auch durch die Musik gezeigt, die nun einen völlig anderen Charakter annimmt. Auch das Bühnenbild verändert sich: Während anfangs noch Grenzen das Bild bestimmt haben, löst man sich nun von dieser Vorstellung und Freiheit und Liebe stehen im Fokus.
Im anschließenden Austausch waren wir vor allem von der musikalischen und tänzerischen Darstellung beeindruckt, die trotz mancher Verwirrungen emotional berührt hat.
„Das Stück hat gezeigt, wie verwirrend die Liebe ist und wie viele Facetten sie hat“, so lautete ein Kommentar.
Insgesamt war das Stück „genial“, „mitreißend“, „atemberaubend schön“, „phänomenal“, „eindrucksvoll“ und „umwerfend“.
„Tanz lässt immer viel Interpretationsspielraum, aber letztendlich sollte Liebe auch nicht begriffen, sondern gefühlt werden“, so unser Fazit nach dem ausgiebigen Austausch.
Wir freuen uns bereits auf die nächste Vorstellung des Nationaltheaters Mannheim! :)
Text: Cara Kemptner, Maike Gumbel (10b)
Fotos: Johanna Rausch (J2), Erico Arend Haussen (10b)












