Deutsch-LK besucht das Theater: „Der zerbrochene Krug“
Hockenheim, 06.03.2026
Am 03. März 2026 tauschte der Deutsch-Leistungskurs von Frau Ronellenfitsch das Klassenzimmer gegen den Theatersaal. Auf dem Programm stand ein echter Klassiker: „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist. Doch was der Kurs erlebte, entpuppte sich als eine überraschend lebendige und moderne Inszenierung. Nachdem wir uns bereits im Unterricht intensiv mit dem Werk, seinen verzwickten Dialogen und der hintergründigen Moral auseinandergesetzt hatten, bot die Aufführung in Mannheim nun die Chance, unser theoretisches Wissen in einer ganz eigenen Wirkung auf der Bühne zu erleben.
Schon beim Betreten des Saals sorgte die Inszenierung für reichlich Gesprächsstoff: Der Blick auf die Bühne war bereits freigegeben, und statt eines geschlossenen Vorhangs erwartete uns eine einstudierte Choreografie, die in einem fortwährenden, rhythmischen Kreislauf dargeboten wurde. Diese zyklischen Bewegungen zogen uns sofort in den Bann und schufen eine dichte Atmosphäre, die das Gefühl eines unausweichlichen Kreislaufs vermittelte. Ein weiterer mutiger Kniff der Regie war die Besetzung der Hauptrolle: Der Dorfrichter Adam wurde von einer Frau gespielt. Diese bewusste Umkehrung der Geschlechterrollen führte im Publikum zunächst zu Erstaunen, eröffnete aber zugleich neue Perspektiven auf zeitlose Themen wie Macht, Schuld und die Kunst der Selbstinszenierung.
Besonders faszinierend war zu beobachten, wie Adams negative Charakterzüge – seine Manipulationen, die herablassende Selbstgerechtigkeit und die plötzliche Unsicherheit – durch die weibliche Besetzung der „Ada“ eine ganz neue Schärfe bekamen. Im Kurs löste dies eine lebhafte Debatte aus: Während einige diese moderne Interpretation als bereichernd und aktuell empfanden, hätten sich andere eine eher klassische, werkgetreue Darstellung gewünscht. Doch gerade diese unterschiedlichen Eindrücke zeigten eindrucksvoll, wie lebendig Literatur ist, wenn man sie neu deutet.
Eine große Hilfe zur Beantwortung von Unklarheiten war die anschließende Nachbesprechung, bei der die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwammen. Zwei Juristen standen gemeinsam mit der Hauptdarstellerin und einer weiteren Person aus dem Produktionsteam Rede und Antwort. In diesem Dialog wurden nicht nur künstlerische Entscheidungen erklärt, sondern auch die rechtlichen Hintergründe des Stücks beleuchtet. Es ging um die schwierige Suche nach Beweisen, die Logik der Rechtsprechung und die gefährlichen Folgen von Amtsmissbrauch. Viele offene Fragen, die uns schon während des Theaterstücks und im Unterricht begleitet hatten, konnten so im direkten Gespräch mit Profis geklärt werden.
Auch der Rahmen der Exkursion bot ein kleines Abenteuer. Während die Hinfahrt in einer überfüllten Straßenbahn eine stickige Geduldsprobe war, sorgte auf dem Rückweg ein falscher Einstieg für eine ungeplante Extrarunde durch Mannheim. Doch mit Teamgeist und Humor fand die Gruppe schließlich den richtigen Weg zum Hauptbahnhof und erreichte gegen 15:20 Uhr wieder Hockenheim. Einige Schülerinnen und Schüler machten sich von dort direkt wieder auf den Weg zum weiteren Unterricht. Trotz der kleinen Umwege kehrte der Kurs mit der Erkenntnis zurück, dass Kleists Werk auch nach über 200 Jahren kaum an Aktualität verloren hat und uns auch heute noch herausfordert, hinter die Fassaden von Macht und Recht zu blicken.
Insgesamt war der Theaterbesuch für den Deutsch-Leistungskurs eine bereichernde Erfahrung. Die Aufführung zeigte eindrucksvoll, wie ein klassisches Drama auch heute noch relevante Fragen aufwerfen und zu kontroversen Diskussionen anregen kann – ganz im Sinne eines lebendigen Literaturunterrichts.
Text: Karolina Kabala
Fotos: Susanne Ronellenfitsch










