Theater-Abo: HAMLET „Familie, Schuld und Zweifel – Hamlet neu gesehen“
Hockenheim, 04.05.2026
Am 17.04.2026 besuchten im Rahmen unseres Theaterabonnements gemeinsam mit Frau Del Mul und Frau Ronellenfitsch eine Aufführung des Dramas „Hamlet“ von William Shakespeare im Nationaltheater Mannheim (Altes Franklin Kino). Es handelte sich dabei um das vierte Stück unseres Abonnements. Die Inszenierung wurde von Nuran David Calis umgesetzt und enthielt neben dem Originaltext auch moderne Ergänzungen.
Das Drama handelt von dem Prinzen Hamlet (gespielt von Shirin Ali), der nach dem Tod seines Vaters erfährt, dass sein Onkel Claudius (gespielt von Matthias Breitenbach) diesen ermordet hat. Claudius übernimmt daraufhin den Thron und heiratet Hamlets Mutter Gertrude (gespielt von Maria Munkert), was Hamlet zusätzlich belastet. Im Verlauf des Stücks versucht Hamlet, die Schuld seines Onkels zu beweisen, indem er ein Theaterstück inszenieren lässt, das den Mord nachstellt. Gleichzeitig beginnt er, sich immer mehr von seiner Umwelt zu entfernen und wirkt zunehmend unsicher und widersprüchlich.
Auch die Beziehung zu Ophelia (gespielt von Maria Helena Bretschneider) leidet unter seinem Verhalten, was schließlich tragische Folgen hat. Generell entwickelt sich die Handlung immer weiter in Richtung Eskalation. Intrigen, Misstrauen und Gewalt nehmen zu, und es kommt zu mehreren Todesfällen. Am Ende bleibt jedoch nicht nur Zerstörung zurück, sondern auch die Frage, ob Hamlets Handeln überhaupt gerechtfertigt war.
Das Ende wirkt in dieser Vorstellung teilweise offen, da zwar viele Figuren sterben und der zentrale Konflikt äußerlich beendet wird, jedoch unklar bleibt, wie es mit Hamlet weitergeht. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Geschichte nicht vollständig abgeschlossen ist. Gleichzeitig bleiben auch wichtige moralische Fragen offen, zum Beispiel ob Hamlets Handeln gerechtfertigt war oder ob seine Rache letztendlich mehr Schaden als Lösung gebracht hat.
Auffällig an der Aufführung war vor allem die moderne Umsetzung. Es wurden Kameras eingesetzt, durch die bestimmte Szenen zusätzlich gefilmt und auf die Bühne übertragen wurden, was einen starken Fokus auf einzelne Figuren gelegt hat. Außerdem wurde teilweise umgangssprachlich gesprochen, wodurch immer wieder humorvolle Momente entstanden sind und das Stück zugänglicher wirkte. Zudem hat die Inszenierung auch eindringlich gezeigt, wie prägend und belastend familiäre Strukturen sein können – sie formen Hamlets Denke, treiben seine Zweifel an und wirken weit über die Jugend hinaus bis ins Erwachsenenalter.
Das Bühnenbild war eher minimalistisch gestaltet, jedoch gab es ein zentrales Element: Eine große August-Rodin-Denker-Statue, die sich während der Aufführung selbstständig über die Bühne bewegte und bei Szenenwechseln eingesetzt wurde. Dadurch wirkte das Bühnenbild lebendig und ungewöhnlich. Zusätzlich wurde viel mit Licht und Schatten und finsterer Hintergrundmusik gearbeitet, wodurch eine düstere und gleichzeitig spannende Atmosphäre entstanden ist.
Die schauspielerische Leistung, besonders die Darstellung von Hamlet, wirkte intensiv und überzeugend, da seine inneren Konflikte deutlich zur Geltung kamen. Ein paar wenige hatten nach der Vorstellung auch noch kurz die Möglichkeit mit zwei Darstellern zu sprechen und ein gemeinsames Foto zu machen. Stellenweise war das Stück jedoch etwas verwirrend, was möglicherweise an der Mischung aus klassischem und modernem Stil lag. Aber insgesamt hat uns die Aufführung gut gefallen, vor allem wegen der kreativen und modernen Inszenierung.
Text: Azra Yildiz (10d)
Fotos: Johanna Rausch (J1), Azra Yildiz (10d)










