Theater-Abo: „ Slippery slope“ – Ein Rutsch in die „Wahrheit”
Hockenheim, 23.03.2026
„Slippery Slope“ ist das dritte Stück, dass wir uns dank dem Theater-Abo anschauen durften. „Fast ein Musical“, inszeniert von der Regisseurin Anaïs Durand-Maupit. Diese bringt durch eine starke Besetzung aus talentierten Schauspielern, Sängern und Musikantinnen ein aktuelles, gesellschaftlich relevantes Thema auf die Bühne.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der Pop-Star Gustav Gundesson, gespielt von Patrick Schnicke, der nach Vorwürfen eines Machtmissbrauchs habgierig versucht, mit einem Comeback-Konzert das Publikum wieder für sich zu gewinnen. Doch seine Sicht der Dinge bleibt nicht alleinstehend. Seine ehemalige Backgroundsängerin Sky (Shirin Ali) mithilfe der Nachforschung der feministischen Journalistin Stanka (Annemarie Brüntjen) und Zeitungsverlegerin Klara (Jessica Higgins), Gustav’s Frau, erzählen jeweils ihre eigene Version der Geschichte. Ergänzt wird das Ensemble durch Baris Özbük, der in mehreren Rollen, unter anderem als Sky’s sidekick Shantez und Kahn, als ein deutlich gelassener und humorvoller Charakter auftritt. Das Stück hypnotisiert das Publikum mit seiner besonderen Erzählweise: Die verschiedenen Perspektiven der Figuren stehen teilweise im Widerspruch zueinander und fordern das Publikum heraus, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dabei entsteht eine komplexe und teilweise paradoxe Handlung, die sich mit Fragen von Wahrheit, Macht und Selbstwahrnehmung auseinandersetzt. Die Inszenierung ist dramatisch und mitreißend zugleich. Unterstützt wird die Wirkung durch eingängige Musik und kreative Bühnenbilder, die die emotionale Intensität der Geschichte unterstreichen. Immer wieder wird das Publikum direkt angesprochen oder bewusst provoziert, wodurch eine ungewöhnliche Nähe zwischen Bühne und Zuschauer entsteht.
Hintergrund des Stücks ist die aktuelle Debattenkultur, wie Anaïs Durand-Maupit es selbst beschreibt. „Slippery Slope“ zeigt, wie unterschiedlich Wahrheiten wahrgenommen und dargestellt werden können und wie einfach es ist, falsche Wahrheiten zu verbreiten. Und das besonders in Zeiten von Medien, öffentlicher Meinung und sozialen Konflikten, wie es auch heutzutage ist. Die Reaktionen des Publikums, inklusive die der Schülerinnen und Schüler fallen demtentsprechend stark aus: Viele zeigen sich beeindruckt von der Mischung aus Unterhaltung und kritischer Auseinandersetzung. Das Stück wird als fesselnd, ironisch und provokant wahrgenommen, also ein Theatererlebnis, das noch lange nach dem Heimgehen zum Nachdenken anregt.
Text: Carmen Reyes Pérez (J2)
Fotos: Azra Yildiz (10d), Cara Kemptner (10b), Amelie Beck (J1)









