Besuch des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe
Hockenheim, 28.04.2026
Am 16.04.2026 besuchte die Klasse 10b sowie der Wirtschaft-Leistungskurs der J1 in Begleitung von Frau Breiter und Frau Klement das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Um 9 Uhr trafen wir uns am Bahnhof in Hockenheim, um gemeinsam mit dem Zug in die Stadt zu fahren. Dort angekommen liefen wir zum Bundesverfassungsgericht (im Folgenden BVerfG) in der Nähe des Karlsruher Schlosses, wo wir bereits von der als Sicherheitsdienst eingesetzten Polizei erwartet wurden. Nacheinander musste sich jeder von uns mit einem Ausweisdokument identifizieren, anschließend wurde, ähnlich wie am Flughafen, eine Taschen- und Jackenkontrolle sowie ein Personen-Scan durchgeführt.
Im Foyer wartete bereits Frau Kühn auf uns, die uns eine spannende Führung durch das BVerfG gab. Zunächst sollte sich jeder von uns eine Miniaturausgabe des Grundgesetzes nehmen, da „jeder über seine Grundrechte Bescheid wissen“ solle. Frau Kühn erklärte uns die Hauptaufgabe des BVerfG: der Schutz des Grundgesetzes und damit der deutschen Verfassung in allen Bereichen. Genaueres über die verschiedenen Bereiche sowie die Vorgehensweise und Entscheidungen des BVerfG erfuhren wir durch einen informativen Film.
Am BVerfG arbeiten 16 Richterinnen und Richter, die in zwei Senate mit je acht Personen aufgeteilt sind. Sie werden zur Hälfte vom Bundestag, zur anderen Hälfte vom Bundesrat für eine Amtszeit vom 12 Jahren gewählt. Eine Wiederwahl ist ausgeschlossen. Immer drei Richterinnen und Richter bilden eine Kammer und können zusammen eine Entscheidung treffen, bei besonders hoher Signifikanz für die gesamte Bundesrepublik Deutschland entscheidet einer der Senate, wobei jeder Senat eigens zugewiesene Aufgabenbereiche hat. Auch eine Entscheidung im Plenum, also von allen 16 Richterinnen und Richtern, ist möglich, jedoch eher selten. Alle Richterinnen und Richter werden von vier wissenschaftlichen Mitarbeitenden unterstützt, die die Anträge, die täglich am BVerfG ankommen, auf formale Korrektheit überprüfen. Denn das BVerfG wird nur auf einen spezifischen Antrag tätig. Wichtig dabei ist, dass alle einen solchen Antrag stellen können, die sich durch eine staatliche Gewalt in ihren Grundrechten verletzt fühlen. Im Anschluss an den Film führte uns Frau Kühn in den imposanten Sitzungssaal, wo wir einige Präsenzfälle vorgestellt bekamen. Ein Beispiel dafür ist das neue Wehrpflichtgesetz, über das sich ein Schüler beim BVerfG beschwert hatte und das auch bereits Anlass für einige angeregte Diskussionen in unserer Gruppe war. Dadurch zeigte sich die hohe Relevanz der Entscheidungen dieser Instanz für uns Jugendliche.
Weiter ging es mit unserer Führung durch das Gebäude. Leider konnten wir uns die traditionellen scharlachroten Roben der Richterinnen und Richter nicht anschauen, sehr interessant fanden wir jedoch, dass es sich dabei erst um die zweite Garnitur seit 1963 handelt und die Roben bei Amtsantritt immer an die Körperstatur angepasst werden. Anschließend besichtigten wir die Bibliothek, in der es einige Infotafeln zur Geschichte des BVerfG und seiner Richterinnen und Richter gab. Besonders im Gedächtnis geblieben ist uns hier Ernan Scheffler, die sich als einzige Frau im ersten Senat (1951-1963) für die Durchsetzung des Gleichberechtigungsgrundsatzes (GG Art. 3 Abs. 2) einsetzte und als Pionierin der Gleichberechtigung von Männern und Frauen gilt. Einer ihrer Erfolge ist die Abschaffung des Letztentscheidungsrechts des Mannes, durch das dieser beispielsweise den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen konnte. Im Plenarsaal, in dem alle 16 Richterinnen und Richter zusammenkommen können, wurden wir schließlich freundlich durch Frau Kühn verabschiedet.
Bei schönstem Wetter verbrachten wir noch eineinhalb Stunden in der Karlsruher Innenstadt, die wir zum Mittagessen, Shoppen, Eisessen und Ähnlichem nutzten. Nachdem wir alle am vereinbarten Treffpunkt angekommen waren, machten wir uns mit der Bahn auf den Rückweg nach Hockenheim. Insgesamt war es wirklich eine sehr informative und abwechslungsreiche Exkursion, die uns sicherlich in Erinnerung bleiben wird.
Weitere Informationen zum BVerfG kann auf der Homepage finden:
https://www.bundesverfassungsgericht.de/DE/Home/home_node.html
Text: Eva Montag und Cara Kemptner
Fotos: 10b








